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Buch: Computerlogik

Mein ganzes Informatikwissen in einem Buch? Nun ja das ganze Wissen würde vermutlich ein recht dickes (und auch sehr unverständliches) Buch füllen. Daniel Hillis hat mit seinem nicht mal zweihundert Seiten dicken Buch erstaunlich viel Informatikwissen abgedeckt. Das Buch trägt den Titel "Computerlogik: So einfach arbeiten Computer" oder auf englisch werbewirksamer "The Pattern on the Stone: The Simple Ideas That Make Computers Work".

Hillis erklärt im Vorwort seine Begeisterung für intelligente Maschinen. In seinen jugendlichen Roboterbastelversuchen dürfte sich so mancher Techi (so auch ich) wiedererkennen. Im ersten Kapitel "Hacken und Ösen" geht es gleich zur Sache. Er erklährt wie ein Computer auf der untersten Stufe aufgebaut sind. Nicht zwangsläufig mit Nullen und Einsen, sondern mit zwei primitiven Zuständen. Mit seinen verständlich Skizzen zeigt er das dies nicht nur mit Elektronen und Schaltern sondern ebenso gut mit Holzstöcken und Federn gelöst werden kann.

In den weiteren Kapiteln geht Danny Hillis mit sieben Meilenstiefeln durch die Informatikwelt. Von den einfachen Bausteinen hüpft er weiter zu den "Universellen Bausteinen" wo er erklärt warum Computer so unglaublich mächtig sind. Im Kapitel "Programmierung" erklärt er wie dann so ein Computerprogramm macht. Die Frage "Wie universell sind Turing-Maschinen?" ist dann schon recht theoretisch, aber auch hier bleibt Hillis bei den einfachen Erklärungen und seine Überlegungen bleiben verständlich. In "Algorithmen und Heuristiken" habe ich mich dann langsam gefragt warum ich überhaupt studiere, irgendwie sind in diesem Buch auch komplizierte Zusammenhänge plötzlich klar. Das Kapitel "Speicher Informationen und geheime Codes" ist zwar ebenso verständlich, in Sachen "geheime Codes" patzt er aber meiner Meinung nach. Hier vergisst er in einem extrem kurzen Kapitel darauf hinzuweisen, dass es keine "security by obscurity" geben kann. Einen Hinweis der in einem Buch das auch Anfänger lesen, meiner Meinung nach, unverzichtbar ist. Im Kapitel "Immer schneller: Parallelrechner" ist Daniel Hillis wieder voll in seinem Element. Gekonnt erklärt er Amdahls Law und warum das er trotzdem einen Supercomputer gebaut hat. In den letzten beiden Kapiteln geht es dann in Gebiete die noch heute Gegenstand der Forschung sind. Hillis hat aber auch bei neuronalen Netzwerken und genetischen Algorithmen kein Problem einfach zu bleiben und denn Stoff für jedermann und jederfrau verständlich zu erklären.

Die schwächste Stelle des Buches ist wohl als Danny Hillis die objektorientierte Programmierung kritisiert. Er schreibt "Beim Schreiben eines neuen objektorienterten Programms hat man manchmal das Gefühl, als ob man eine Horde Tiere in ein Käfig steckte und dann zu sähe, was geschieht." Deshalb behauptet er auch das man damit keine sicherheitsrelevanten Programme erstellen sollte die zum Beispiel ein Flugzeug starten. Deshalb behauptet er, dass er nie in ein Flugzeug das mit OO programmiert wurde einzusteigen wolle. Grotesk ist das ganze vor allem deshalb weil er keinerlei Bedenken hätte in ein Flugzeug einzusteigen das von einem durch simulierte Evolution erzeugten Autopiloten gesteuert würde.

Dieses Buch sollte meiner Meinung nach für alle Computerinteressierte zur Pflichtlektüre gehören, denn so einfach und klar hat bis jetzt noch nie jemand über Computer geschrieben.
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Comments (2)  Permalink

comments

Roland @ 28.06.2006 13:14 CEST
Ja, das Buch ist tatsächlich nicht schlecht (meinen Dank an Leo fürs Ausleihen) und sicherlich für jeden empfehlenswert, der etwas über Computer erfahren möchte. Wer jedoch bereits an einer Hochschule Informatik studiert, sollte nicht mehr wirklich etwas Neues erfahren. Die spürbare Freude Danny Hillis an Computern, der analytisch-logischen Denkweise allgemein, macht das Buch aber auch für "Studierte" interessant. Daneben, dass man Parallelen zu sich selbst entdecken dürfte, bietet das Buch auch gute Ideen, wie man die Funktionsweise eines Computers einem Laien näherbringen kann.
leo @ 30.06.2006 12:35 CEST
Bitte schön! "Dem Laien näherbringen" triffts sehr schön. Genau das einfache erklähren, das sonst kaum ein Professor oder Lehrer fertigbringt, macht das Buch so wertvoll.

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